UNSER ZIEL

Vom Kalb, das keiner will und braucht... zur Aufzucht aller Milchviehkälber auf Bio-Betrieben.

Fakten zur Milchproduktion

 

Ohne Kalb keine MilchKalb trinkt bei seiner Mutter

Die Kuh produziert Milch, um ihr Kalb zu ernähren. Und nur, wenn sie jedes Jahr ein Kalb bekommt, gibt sie soviel Milch, dass es sich lohnt sie zu melken.

Durch intensive Zucht gibt eine Kuh heute das Vielfache von dem an Milch, was ein Kalb braucht. Und doch bekommt das Kalb von der Milch in den seltensten Fällen etwas ab. Denn...

 

Kalb in EinzelboxDie Kälber werden von den Kühen getrennt aufgezogen

Damit möglichst jeder Liter verkauft werden kann.

In der Natur würde das Kalb je nach Alter 4 bis 8 mal am Tag trinken und dabei 8 -16 Liter Milch aufnehmen.

Üblich ist in der heutigen Landwirtschaft die Haltung der Kälber in Einzel- und später in Gruppenboxen, in denen sie 2 - 3x täglich mit je 3-4l Milch gefüttert werden. Biologisch mit Vollmilch, konventionell mit Milchaustauscher.

 

Zucht auf Milchleistung bedeutet energieintensive Mast

Ähnlich wie bei den Hühnern, wo eine hohe Legeleistung mit einem geringen Fleischansatz einhergeht, steht die Zucht auf Milchleistung einer guten Mastleistung entgegen.

So sind Kälber von Hochleistungsmilchkühen leider ebenfalls nur zum Milchgeben geeignet.

Männliche Kälber können das nicht und auch nicht alle weiblichen Kälber werden zur Bestandserhaltung (Remontierung) benötigt.

MastgenetikDiese Kälber zu mästen benötigt viel mehr Energie als das Mästen von Rindern, die extra für die Fleischerzeugung gezüchtet wurden (Fleischrassen/Mastgenetik. | Foto: Kuh und Kalb mit Mastgenetik).

Auch ist der Erlös für ein leichtes, mageres Kalb oder ausgewachsenes Tier sehr gering.

Dies führt zu folgendem, ethischen Dilemma:

 

Viele Bio-Milchviehkälber gehen in die konventionelle Mast

Im Alter von nur wenigen Tagen werden sie von einem Viehhändler abgeholt und nicht selten durch halb Europa gefahren, bis sie in einem Maststall mit vielen anderen Kälbern landen, wo sie auf engstem Raum und mit hohem Antibiotika-Einsatz gemästet werden.

Nach Bio-Richtlinien ist es vorgeschrieben, dass die Kälber 90 Tage lang mit Vollmilch aufgezogen werden - in der konventionellen Landwirtschaft mit billigem Milchaustauscher. Da die Landwirt:innen nur wenige Euro für ein Kalb bekommen, lohnt sich kein Extratag der Aufzucht auf dem Geburtsbetrieb.

Und das alles, weil...

 

Die Erzeuger:innen nicht einen Cent an der Milch verdienen

Eher im Gegenteil: Denn den Preis, den die Landwirt:innen pro Liter Milch bekommt, deckt häufig nicht mal die Erzeugungskosten.

Ohne EU-Subventionen würde kaum noch ein Milchviehbetrieb überleben und jeden Tag hören vor allem kleinere, familiengeführte Betriebe in Deutschland auf.

 

ABER DAS SCHÖNE IST:

Immer mehr Betriebe zeigen, dass es auch anders geht!

Manche Betriebe wollen ihre Kälber nicht mehr in die konventionelle Mast geben, sondern ziehen alle Kälber selber auf oder arbeiten mit einem Partnerbetrieb zusammen. Darüber hinaus oder auch unabhängig von dieser Thematik, gewinnt die "Kuhgebundene Aufzucht" stark an Bedeutung - das heißt, entweder dürfen die Kälber bei ihren Müttern saufen oder bei einer Amme.RotbuntDN-Kälber

Gerade wenn ein Betrieb alle Kälber bis zur Schlachtung aufzieht, ist die Beschäftigung mit der Frage, welche Rasse am besten geeignet ist, nahezu unumgänglich. Während in Süddeutschland durch die stärkere Verbreitung der Zweinutzungsrasse "Fleckvieh" eine etwas andere Ausgangslage herrscht, ist in anderen Teilen Deutschlands die Hochleistungsmilchrasse "Holstein Fresian" noch sehr stark vertreten - was und wieviel sich da in den nächsten Jahren tun wird, bleibt zu beobachten.

Zweinutzung heißt, dass die Kühe etwas weniger Milch geben, die Tiere aber auch Fleisch ansetzen.

Grundsätzlich funktionieren die neuen, häufig recht betriebsindividuellen Lösungen, derzeit noch am besten in Verbindung mit einer Direktvermarktung (Hofladen, Marktstand...). Denn dort können die Betriebe den Kund:innen direkt den Mehrwert erklären und höhere Preise durchsetzen.

Wie dies auch mit Molkereien und Handel als Zwischenhändler funktionieren kann, probieren mittlerweile ein paar Initiativen aus und auch wir sind in diesem Bereich auf der Suche nach einem Weg.

Auf der Seite "Andere Initiativen" stellen wir Projekte und Initiativen vor, die schon Lösungen leben.

(Foto: Kälber der Rasse RDN (Rotbuntes Deutsches Niederungsrind) - eine Zweinutzungsrasse)